Empfehlungen

  • Kinder mit autistischer Wahrnehmung oder „autistischen Zügen“ sind, so wie andere Kinder mit Behinderungen auch, am besten in einer integrativen Umgebung zu fördern.
  • Dies bedeutet, dass sowohl Integrationskindergärten als auch Integrationsklassen empfohlen werden.
  • Die Lern- und Orientierungsmöglichkeiten sind besonders für Kinder mit autistischer Wahrnehmung im sogenannten „normalen“ Umfeld am besten. Sondereinrichtungen für vorwiegend autistische Kinder haben den Nachteil, dass das Spektrum an Verhaltensweisen eingeengt und weniger Vielfalt vorhanden ist.
  • Die Erfahrungen zeigen, dass mit geeigneten unterstützenden Maßnahmen Kinder mit autistischer Wahrnehmung in integrativen Einrichtungen sehr große Fortschritte machen können.
  • Das Wissen um das Wesen der Behinderung und das Verständnis für die Verhaltensweisen sind wesentliche Pfeiler für den adäquaten Umgang mit autistischen Kindern.

Die österreichische Autistenhilfe „ÖAH“ ist gerne bereit, Fragen zu beantworten und Sie in Ihrer Arbeit zu unterstützen.

Im Rahmen unserer Familienberatungsstelle können sich betroffene Eltern Rat und Unterstützung holen, sei es in Fragen der „richtigen“ Kindergarten- oder Schulentscheidung oder in Fragen über unverständliche Verhaltensweisen der Kinder etc….

Unterstützung und Förderung in der Schule

Organisation

  • Individuell angepasster Lehrplan ist sehr wichtig für die soziale Entwicklung
  • Möglichst viele feststehende räumliche, zeitliche und personelle Strukturen bieten
  • Beratung und Anleitung der Lehrer und Weiterbildung durch Fachliteratur und Seminare/Workshops
  • Aufbau einer Zugehörigkeit zur Klasse. Wenn ein Kind sich derart absondert, dass seine Mitschüler es bemerken, so wird es besser sein, offen über seine Behinderung zu sprechen
  • In manchen Fällen wäre ein abgeschirmter Arbeitsplatz im Klassenzimmer günstig, da einige Kinder viel Ruhe brauchen, während Prüfungen und Klausuren sogar ein Einzelzimmer
  • Es sollte berücksichtigt werden, dass einige Kinder mehr Zeit brauchen, um die Arbeit ordentlich zu beenden; Bearbeitungszeit sollte verlängert werden können
  • Mündliche, schriftliche und praktische Aufgaben sollten wechselseitig ersetzt werden können
  • Einige Kinder haben große Schwierigkeiten mit der Handmotorik und der Handschrift. Allzu viel Druck und Übung kann verlorene Zeit sein. Hier ist es besser, wenn das Kind ein Schreibhilfsmittel (Schreibmaschine oder Computer) erhält. Es gibt pädagogische Computerprogrammen, die das Lernen erleichtern, die Motivation stärken und zu selbständigerem Handeln führen
  • Rücksichtnahme auf Schwierigkeiten im Turnunterricht aufgrund motorischer Ungeschicklichkeit
  • Bedarf an Hilfe in den Pausen aufgrund von unstrukturierten Aktivitäten, ohne klare Regeln, ohne deutlichen Verlauf mit Anfang und Ende
  • Rücksicht auf das Wohlbefinden des Kindes sollte vor den Regeln der Schule gelten

Arbeitsmethoden

1. Übersicht und Vorhersehbarkeit

  • Regelmäßige Struktur während des Tages und eine feste Reihenfolge der täglichen Handlungen geben Sicherheit (Hilfsmittel wie Tagespläne, Uhr, Kalender, Tagebuch)
  • Absprachen und Regeln zur leichteren Erinnerung schriftlich festhalten, z.B. im Tagebuch
  • Mittels Tagesplan- und Tagebuchsystem können Veränderungen und neue Aktivitäten verständlicher präsentiert werden
  • Jede einzelne Arbeitsaufgabe muss auf eine geordnete Weise gestellt werden und einen erkennbaren Anfang und Schluss haben

2. Aufmerksamkeit

  • Um die Aufmerksamkeit zu steuern, sind feste Redewendungen zu Beginn der Arbeit eine gute Hilfe (z.B. „Hör gut zu“, „Sieh her“, „Nun wirst du etwas Neues lernen“)
  • Stress und Unsicherheit können die Aufmerksamkeit hemmen
  • Die Aufgaben sollen deutliche und attraktive Ziele haben
  • Klare visuelle Indikatoren müssen das hervorheben, was wichtig ist; der Schüler sollte lernen, selbst zu bewerten, was wichtig ist
  • Klare und deutliche Anweisungen geben

3. Deutlichkeit

  • Bilder und Schrift können eine Botschaft klarer darstellen, erhöhen die Aufmerksamkeit und stützen das Gedächtnis
  • Eindeutige Anweisungen verhindern Verwirrung
  • In Stresssituationen besteht ein größerer Bedarf an Hilfsmitteln; die Hilfe muss einfacher und deutlicher sein als gewöhnlich
  • Bei schwierigen Aufgaben hilft die Verwendung eines Merkzettels mit Zeichnungen oder Notizen
  • Motivation
  • Die Motivation muss eine natürliche Konsequenz aus den Interessen des Kindes sein; was für Gleichaltrige wichtig ist, kann für einen Schüler mit Autismus unbedeutend sein
  • Am Anfang müssen die Ziele gut sichtbar und nah sein. Nach und nach dürfen sie sowohl zeitlich als auch räumlich weiter entfernt liegen. Verschiedene Arten von Punktesystemen bieten Erinnerung an das Ziel und helfen, durch regelmäßige Kontrollen eine Struktur zu schaffen
  • Oft versteht das Kind die Bedeutung von Geschichten nicht, die für andere interessant sind. Es interessiert sich mehr für sachlichen und fachlichen Lesestoff. Es sollten Sachbücher nach den Interessen des Kindes angeschafft werden; die Interessensgebiete könnten somit erweitert und an andere Themen assoziiert werden

Literatur:
Steindal, K. (2002). Das Asperger Syndrom. Bundesverband „Hilfe für das autistische Kind“ (Hrsg.), Hamburg. Kaminski, M., Rumpler, F. & Stoellger, N. (Hrsg.) (2000). Pädagogische Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus. Würzburg

3 Kommentare:

  1. Guten Tag, ich arbeite in einer Tagesstätte für Menschen mit Behinderung und betreue auch einen jungen Mann mit der Diagnose Autismus. Zur Zeit gibt es Schwierigkeiten da er zu Hause unwahre Ereignisse erzählt (beispielsweise dass ich ihn geschupft hätte oder auch dass ich ihn dauernd ansehe und er deshalb nicht mehr zur Arbeit kommen will). In der Arbeit selbst verhält er sich mir gegenüber jedoch wie immer und sucht sogar teilweise vermehrt Kontakt zu mir, oft mehr als zu anderen Betreuern. Er ist mir gegenüber auch sehr offen und positiv gestimmt, will mit mir arbeiten, macht Späße, redet viel und oft mit mir.
    Ich bin mir gerade sehr unsicher wie ich mich weiterhin ihm gegenüber verhalten soll, ein Gespräch mit ihm darüber (schupfen) war auch nicht sehr hilfreich da er meinte es wäre nur Spaß gewesen… Kurz danach kam es zu der Behauptung seinerseits dass ich ihn dauernd ansehe und er verweigerte deshalb auch für 2 Tage das Besuchen der Einrichtung. Als er wieder zu uns kam war sein Verhalten mir gegenüber aber nach wie vor gleich und auch positiv.
    Da ich keine Ausbildung im Bereich Autisten Trainer oder ähnliches habe, dachte ich mir, ich frage hier um Informationen bzw Tipps was den richtigen Umgang in solch einer Situation betrifft.
    Vielleicht könnten Sie mir Ratschläge geben, wie ich zum Beispiel am Besten ein klärendes Gespräch mit ihm in Angriff nehmen könnte ohne ihn in die „Ecke zu drängen“ oder zu überfordern.
    Wenn dies Ihre Kapazitäten übersteigt, würde ich mich gegebenenfalls um geeignete Ansprechpartner oder Fortbildungen dafür interessieren.
    Vielen Dank schon mal im Voraus für Ihre Bemühungen.
    Mfg Sonja Gupper

    1. Sehr geehrte Frau Gupper!

      Bitte melden Sie sich telefonisch bei uns unter 01/ 533 96 66 0 montags bis donnerstags von 9:00 bis 16:30 Uhr und freitags von 9:00 bis 12:00 Uhr, um für Sie passende Möglichkeiten zu besprechen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Iris Koppatz

  2. Guten Tag, ich arbeite in einer Tagesstätte für Menschen mit Behinderung und betreue auch einen jungen Mann mit der Diagnose Autismus. Zur Zeit gibt es Schwierigkeiten da er zu Hause unwahre Ereignisse erzählt (beispielsweise dass ich ihn geschupft hätte oder auch dass ich ihn dauernd ansehe und er deshalb nicht mehr zur Arbeit kommen will). In der Arbeit selbst verhält er sich mir gegenüber jedoch wie immer und sucht sogar teilweise vermehrt Kontakt zu mir, oft mehr als zu anderen Betreuern. Er ist mir gegenüber auch sehr offen und positiv gestimmt, will mit mir arbeiten, macht Späße, redet viel und oft mit mir.
    Ich bin mir gerade sehr unsicher wie ich mich weiterhin ihm gegenüber verhalten soll, ein Gespräch mit ihm darüber (schupfen) war auch nicht sehr hilfreich da er meinte es wäre nur Spaß gewesen… Kurz danach kam es zu der Behauptung seinerseits dass ich ihn dauernd ansehe und er verweigerte deshalb auch für 2 Tage das Besuchen der Einrichtung. Als er wieder zu uns kam war sein Verhalten mir gegenüber aber nach wie vor gleich und auch positiv.
    Da ich keine Ausbildung im Bereich Autisten Trainer oder ähnliches habe, dachte ich mir, ich frage hier um Informationen bzw Tipps was den richtigen Umgang in solch einer Situation betrifft.
    Vielleicht könnten Sie mir Ratschläge geben, wie ich zum Beispiel am Besten ein klärendes Gespräch mit ihm in Angriff nehmen könnte ohne ihn in die „Ecke zu drängen“ oder zu überfordern.
    Wenn dies Ihre Kapazitäten übersteigt, würde ich mich gegebenenfalls um geeignete Ansprechpartner oder Fortbildungen dafür interessieren.
    Vielen Dank schon mal im Voraus für Ihre Bemühungen.
    Mfg Sonja

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