Interview mit Andreas Steidl

Für mein Referat über das Asperger-Syndrom in der Schule habe ich auch ein Interview mit Andreas Steidl von der Autistenhilfe geführt, um zu sehen, wie es anderen Aspis geht.

Außerdem ist am Ende des Interviews auch eine zusammengefasste Geschichte der Autistenhilfe zu finden.

Bevor ich mit den Fragen beginne möchte ich Andy noch kurz vorstellen:

Andreas Steidl
Andreas Steidl

Andy ist wie ich Asperger-Autist und kennengelernt haben wir uns bei dem ersten Ausflug der SO-KO Gruppe.

Über die SO-KO Gruppe, also was wir dort machen und meine Meinung dazu erfahren Sie bald mehr. Außerdem erzähle ich Ihnen auch demnächst was wir bei unserem 2. Ausflug im Happylab gemacht haben.

 

Das Interview

 

Wie wurde das Asperger-Syndrom bei dir diagnostiziert?

Meine Schwester hat Psychologie, im Studienzweig Autismus studiert und kannte sich deshalb sehr gut mit dem Asperger-Syndrom aus. Ich habe damals auch sehr gerne gelesen und so ist mir mal ein Buch über das Asperger-Syndrom in die Hände gefallen und ich habe dann anhand der beschriebenen Symptome bemerkt, dass einige auf mich zutreffen. Also habe ich dann meine Schwester gefragt ob ich das Asperger-Syndrom haben könnte und sie sagte, dass sie schon länger denkt, dass ich das Asperger-Syndrom habe. Sie hat mich dann zu einer Freundin geschickt, die sich mit der Diagnostik des Asperger-Syndroms beschäftigt und letztendlich hat sie es dann diagnostiziert.

Hast du im Alltag Probleme oder Einschränkungen?

Ja, ich habe leider einige Probleme. Ich kann es nicht leiden, wenn mich andere Menschen berühren, deshalb fahre ich nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern mit dem Rad oder Taxi.

In München – meiner Heimatstadt – ist dies kein Problem, allerdings fahre ich da auch fast immer dieselbe Strecke, die ich als Kind schon gefahren bin und deshalb habe ich mich da schon daran gewöhnt.

Hast du spezielle Interessen oder Hobbys?

Ja, da habe ich einige. Ich arbeite gerne mit Computern, früher bis zum Alter von ca. fünf Jahren haben mich Autos interessiert. Ich kannte jedes Modell und dessen Motor.

Außerdem helfe ich auch gerne anderen Menschen, aus diesem Grund bin ich auch bei der Österreichischen Autistenhilfe tätig.

Gibt es noch andere Dinge die du gerne machst bzw. gut kannst?

Ich baue gerne Möbel selber, nähe gerne, früher habe ich auch gerne gestrickt und ich arbeite auch sehr gerne mit Jugendlichen zusammen.

Welche Dinge kannst du nicht so gut?

Ich kann nicht so gut aufräumen, da ich es nicht mag, aber es erledigt sich ja leider nicht von selbst. Außerdem kann ich mich auch nicht sehr lange, also nicht mal zwei Stunden durchgehend konzentrieren, was auch die Folge hat, dass ich Fließbandarbeit nicht leiden kann, weil es mit der Zeit langweilig wird.

Wie nimmst du das Geschehen rund um dich wahr?

Ich versuche das Geschehen zu ignorieren und habe teils auch keinen Orientierungssinn.

Was machst du, wenn viele Geräusche auf dich einwirken?

Ich habe immer Kopfhörer dabei, da ich es nicht aushalte, wenn viele Geräusche, unter anderem auch Stimmen, auf mich einprasseln.

Hast du ein Problem damit, wenn viele Veränderungen auf dich eintreffen?

Ja, das ist leider ein sehr großes Problem.

Schießen dir bei bestimmten Themen sofort Ideen in den Kopf und anderen Personen nicht?

Immer. Wenn andere zum Beispiel bei Besprechungen noch stundenlang darüber nachdenken, habe ich innerhalb von Sekunden die Idee. Die meisten beginnen dann auch erst zu denken. Und im Nachhinein diskutieren sie noch über die beste Lösung, obwohl meine genau die Punkte, die gefragt waren, beinhaltet.

Siehst du manchmal Dinge, die andere nicht sehen?

Teils ist dies so, aber manchmal sehe ich die Dinge nur anders als die anderen.

Gibt es Dinge die du immer wieder auf die gleiche Art machen musst? Verspürst du einen Drang, wenn du das nicht machen kannst?

Ja, in der Früh habe ich mit meiner Frau eine festgelegte Morgenroutine. Wenn sie aufsteht, stehe ich 30 Minuten später auf und auch umgekehrt, das heißt, dass wir uns nicht in die Quere kommen können. Ich stehe auf, dusche, mache Kaffee und noch weitere Sachen, die man in der Früh so macht.

Und Veränderungen sind da nicht erlaubt, weil die mich komplett aus dem Konzept bringen und da kommt dann der Drang zum Vorschein, dass sich der Ablauf nicht abändern darf.

Manche Aspies sind ja nicht immer höflich. Fällt es dir auf, wenn du unhöflich bist?

Leider fällt mir dies nicht auf, sondern erst wenn mich andere Leute darauf aufmerksam machen.

Gibt es ein Merkmal, woran man sofort erkennt, dass du anders bist?

Nein.

Fällt es dir schwer Freundschaften zu anderen Leuten aufzubauen?

Ja, es fällt mir schwer welche aufzubauen und wenn ich dann welche aufgebaut habe, fällt es mir noch schwerer diese dann aufrecht zu erhalten.

Du hattest es als Kind ja überhaupt nicht so einfach. Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, was würdest ändern wollen?

Ich würde mir helfen lassen, da ich mir damals überhaupt nicht helfen lassen wollte. Ich würde mir auch eine Schulassistenz (Fachassistenz), wovon es mittlerweile 120 in Wiens Schulen gibt, wünschen, da diese das Leben in der Schule auf jeden Fall erleichtern.

Möchtest du noch etwas über Autismus sagen?

Ja. Autismus ist nicht heilbar, aber gut therapierbar. Das heißt, dass man durch Therapien lernen kann, wie man mit seinen Mitmenschen umgeht.

Aber auch die Toleranz der Umgebung, also der Mitmenschen ist wichtig. Und eine wichtige Sache möchte ich noch sagen: Die meisten Autisten sind tolle Menschen!

Die Geschichte über die Autistenhilfe

Logo des Dachverbandes Österreichische Autistenhilfe

Gegründet wurde die Österreichische Autistenhilfe im Winter 1978/79, damals noch “Österreichischer Verein zur Förderung autistischer Kinder”, durch eine Tante eines 15-jährigen Autisten für den Erfahrungsaustausch untereinander. Seitdem sind auch einige Umbenennungen erfolgt, seit 1995 hat die Autistenhilfe ihren heutigen Namen “Dachverband Österreichische Autistenhilfe”

1987 sind dann die ersten Therapeutenteams entstanden, die durch das Arbeitsamt finanziell unterstützt werden.

1994 wurde in der Ketzergasse (Liesing) eine weitere Wohngemeinschaft eröffnet – eine erste übernahm der Verein 1992 von den Psychosozialen Diensten – für Menschen mit autistischer und geistiger Behinderung .

2015 ist das Diagnostik- und Therapiezentrum in der Dampfschiffstraße (Landstraße) eröffnet worden, in dem auch ich mindestens einmal pro Woche bin.

 

Seit 2005 wurde das Team des Vereins „Dachverband Österreichische Autistenhilfe“ schon mehrmals neu strukturiert. 2005 wurde die aktuelle Präsidentin, Frau Jutta Steidl ernannt.

 

Bilder: Autistenhilfe

Ein Kommentar:

  1. lieber Andy,
    habe soeben das Interview gelesen. Es ist sehr interessant, auch wenn mein Sohn keine Asperger ist. Wie aberwitzig schnell Du denkst und umsetzen kannst, ist mir sofort aufgefallen als wir über das Internet sprachen. ich war erstaunt und dachte, wie macht er das?
    Ganz herzliche Grüße
    Monika

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.